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Revolutionäre Gewerkschaftsarbeit - theoretische, praktische & arbeitsrechtliche Grundlagen" - Eine Diskussionsgrundlage in 7 Teilen Teil 1:

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Revolutionäre Gewerkschaftsarbeit - theoretische, praktische & arbeitsrechtliche Grundlagen" - Eine Diskussionsgrundlage in 7 Teilen Teil 1:

Posted by Rudolf Mühland at June 23. 2007



Ökonomische / Politische Situationsbeschreibung



Zuerst möchte ich im speziellen auf die Möglichkeiten eingehen die
verstärkt nach der Auflösung der Sowjetunion und des dortigen
staatskapitalistischen Wirtschaftssystems entstanden sind. Mit deren
Zusammenbruch fehlt dem kapitalistischen Wirtschaftsmodell das negative
Beispiel Staatskapitalismus, mit dem er die eigenen
Unzulänglichkeitenzudecken oder zumindest den Menschen vor noch
schlechteren Alternativen Angst machen konnte. Frei nach dem Motto,
"der westliche Kapitalismus ist immer noch das beste aller schlechten
Wirtschaftsmodelle". Jetzt steht der Kapitalismus selber auf dem
Prüfstand.



Die drei bisher vorhandenen unterschiedlichen Modelle des Kapitalismus (Japan/kollektiv, USA/individuell, Deutschland/sozial)

werden untereinander die zukünftigen wirtschaftlichen Kämpfe austragen.
Die Wirtschaftsräüme sind Japan/Asien, USA/KANADA/MEXICO, Europa.
Absatzmärkte, Billiglohnländer und Rohstofflieferanten sind der Süden
Asiens, der Süden Amerikas, der Osten Europas und eventuell noch
Afrika. Dabei bleibt abzuwarten ob die Wirtschaftsräume oder
transnational operierende Konzerne über die zukünftige
wirtschaftspolitische Entwicklung der Welt bestimmen werden. der
Nationalstaat selbst, und mit ihm die nationalstaatliche Politik wirde
sicher zu einer Randgröße in diesem Treiben verkommen.



Speziell am sogenannten sozialpartnerschaftlichen Modell
Westdeutschlands wird sich einiges ändern. Das drohpotential Osten ist
weg und somit besteht keinerlei Notwendigkeit mehr, irgendwelche
sozialen Zugeständnisse zu machen. Bisher mußte noch der innere Frieden
gewahrt werden, um das militärische Aufmarschgebiet BRD effektiv nutzen
zu können. Jetzt können solche Schranken fallen gelassen werden. Die
Unternehmen und die Regierung versuchen daher auch derzeit auf allen
Ebenen, den Beschäftigten bisher gewährte Rechte zu nehmen. Abbau der
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Verschlechterung des
Kündigungsschutzes, Erhöhung des Rentenalters und Kürzungen beim
Arbeitslosengeld sind nur einige Beispiele.



Parallel dazu sehen sich die Unternehmer aufgrund der technologischen
Entwicklung gezwungen, "selbständig denkende" Arbeiterinnen und
Arbeiter auszubilden. Dabei wird versucht, dieses Denken auf das
notwendige Fachwissen und die innerbetrieblichen Notwendigkeiten zu
begrenzen. Ob dies gelingt oder nicht, hängt unter anderem davon ab, in
welcher Weise Menschen, die eine andere Gesellschaft möchten, in diesen
Bildungsprozess eingreifen.



Im Angestelltenbereich schreitet diese Entwicklung noch weiter voran.
Die riesigen Konzerngebilde mit ihren vielfachen Verflechtungen sind
immer weniger in der Lage, sich auf die schnell ändernden Märkte
einzustellen. Dies gilt sowohl für den Industrie-, als auch für den
Dienstleistungsbereich.

Bedingt durch die notwendigen immensen Steigerungen des
Kapitaleinsatzes, bei gleichzeitiger Unüberschaubarkeit wohin das
eingesetzte Geld jeweils fließt und wo es welche Erträge bringt, werden
mehr und mehr sogenannte Profit-Center geschaffen. Das heißt, kleine
Unternehmenseinheiten, die ihre Daseinsberechtigung jeweils unabhängig
vom Gesamtunternehmen nachweisen müssen. Betriebsspaltungen und die
schnelle Schließung unprofitabler Betriebe werden somit in Zukunft zum
Alltag gehören. Damit wird gleichzeitig erreicht, daß gewachsene
Organisationsstrukturen der Beschäftigten zerschlagen werden.
Erleichtert wird dies alles durch das neu geschaffene
Umwandlungsgesetz, daß die derzeit außerordenltich willfährige
Regierungskoalition den Unternehmern präsentiert hat. Damit sind neue
Varianten der Unternehmenstrukturierung ermöglicht worden.

Damit steigt aber auch die Anzahl der Menschen, die Verantwortung
tragen müssen. Um Entscheidungen treffen zu können, müssen den
Beschäftigten Informationen zugänglich gemacht werden, die nur mit
einer entsprechenden Aus- und Weiterbildung effektiv verarbeitet werden
können. Da es in diesem Bereich nicht um technisches und
organisatorisches Wissen, sondern auch um das Verhalten von
Konsumenten, sprich Menschen geht, sind Kenntnisse notwendig, die über
das bisherige Fachwissen hinaus gehen. Die so eingesetzten
Belegschaften können nicht mehr so leicht strengen hierarchischen
Strukturen unterworfen werden. Entscheidungen werden nicht mehr
vertikal von oben nach unten, sondern horizontal auf gleicher Ebene
getroffen. Das jeweilige Fachwissen wird als gleichberechtigt angesehen
und dementsprechend eingesetzt und verwertet. Bei Schulungen werden
Begriffe, die bisher fast ausschließlich in anarchistischer Literatur
zu finden waren, gebraucht: Enthierarchisierung der Gesellschaft,
eigenverantwortliches Handel, Transparentz der Entscheidungsrozesse,
Vernetzung, Dezentralisierung etc...

Hier gibt es meines Erachtens ein erhebliches menschliches Potential,
mit dem über die Möglichkeiten anderer Gesellschftsformen nachgedacht
und diskutiert werden kann. Gerade dort müssen Berührungsängste,
insbesondere zu technischen und kaufmännischen Angestellten in den
Industrie- und Dienstleistungsbetrieben, abgebaut werden. Allerdings
kann durch diese Prozesse auch eine neue priviligierte Kaste entstehen.
Denn das Problem dabei ist, daß der Anteil der Menschen, die überhaupt
noch Arbeit haben, immer weiter sinkt. So gibt es alleine 7 Millionen
Erwerbslose in Deutschland und wahrscheinlich zehnmal soviele in Europa.

Inzwischen wird teilweise davon ausgegangen, daß zukünftig nur noch 20
% der Weltbevölkerung einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Der
jetzt völlig enthemmte Kapitalismus wird auf der Basis dieses
Angstpotentials alles versuchen, die Belegschaften ruhig zu halten.
Löhne und Gehälter werden stagnieren, eine Umverteilung von unten nach
oben hat schon begonnen. So ist der Anteil der Bruttoeinkommen aus
"unselbständiger" Arbeit am Volkseinkommen auf 65% gesunken. Dies ist
fast der tiefste Stand seit 45 Jahren. 1975 waren es noch knapp 72%.
Der Versuch, die gesetzliche Verringerung der Lohnfortzahlung auf 80%
auch gegen bestehende Tarifverträge durchzusetzten, zeigt daß die
Kapitalisten bereit sind, einen Klassenkampf von oben zu beginnen. An
dessen Ende soll/wird die Zerschlagung der reformistischen Gewerkschaft
stehen. Sei es drum, möchte ich sagen. Allerdings wird dieser Verlust
noch nicht durch ein äqiuvalentes revolutionäres Gegenpotential
ausgeglichen, aber wir arbeiten daran!





Ende Teil 1


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