Revolutionäre Gewerkschaftsarbeit - theoretische, praktische & arbeitsrechtliche Grundlagen" - Eine Diskussionsgrundlage in 7 Teilen Teil 2:
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Revolutionäre Gewerkschaftsarbeit - theoretische, praktische & arbeitsrechtliche Grundlagen" - Eine Diskussionsgrundlage in 7 Teilen Teil 2:
Definition von Gewerkschaftsarbeit
A) Oppositionelle Gewerkschaftsarbeit
Oppositionelle Gewerkschaftsarbeit erfolgt innerhalb des DGB. Die
bestehenden Institutionen sollen nur von den "richtigen" Funktionären
übernommen werden. Weder die Prinzipien noch das Programm werden
grundsätzlich in Frage gestellt. Diese sollen lediglich richtig erfüllt
und ein paar neue Akzente gesetzt werden. Dies ist eine Politik, wie
sie auch die kommunistische RGO (Revolutionäre Gewerkschafts
Opposition) in den siebziger Jahren auf ihre Fahnen geschrieben hatte.
Ein Beispiel oppositioneller Gewerkschaftsarbeit:
Anfang der achtziger Jahre traten oppsoitionelle Gewerkschafter/innen
in Frankfurt gegen die konservativen Mehrheiten in der dortigen
IG-Metall-Verwaltungsstelle und gegen die "Betriebsratsfürsten" in den
Betrieben an. Ihre Basis waren gewerkschaftliche Betriebsgruppen und
regelmäßige überbetriebliche Treffen. Eine eigene überbetriebliche
Zeitung wurde herausgegeben, der "Metallbote". Mit den Betriebsgruppen
der verschiedenen DGB-Gewerkschaften gab es informelle und
handlungsorientierte Treffen. Ein Ziel der "Oppositionellen
Gewerkschafter/innen" war bespielsweise - wie in der Satzung vorgesehen
- Mitgliederversammlungen durchzuführen. Dieser Punkt wurde in der
Regel von den herrschenden Kräften verhindert.
Seit Ende der achziger Jahre sitzen die ehemaligen Oppisitionellen
selber in der IG Metall-Ortsverwaltung und sind freigestellte
Betriebsräte/innen. Dank der "guten" Gewerkschaftsarbeit fühlen sich
die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Regel auch gut vertreten. Die
Betriebsgruppen haben sich entsprechend aufgelöst. Und dies, obwohl
nach wie vor das ehemalige Ziel regelmäßige Mitgliederversammlungen
durchzuführen, in den meisten Betrieben auch nach 10 Jahren noch nicht
erreicht ist, ja sogar aus Resignation gar nicht mehr verfolgt wird.
Durch die massenhaft angefallene formale Arbeit und den Betriebsalltag
können keine überbetrieblichen Zusammenhänge mehr aufrecht erhalten
werden. Weiterführende Diskussionen sind nicht mehr möglich. Die
gewerkschaftliche Arbeit findet innerhalb bestehender Institutionen und
im rechtlichen und satzungsgemäßen Rahmen statt. Die Integration und
damit der gleichzeitige Zerfall der Opposition ist damit abgeschlossen.
B) Revolutionäre Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit
Eine andere Form von Gewerkschaftsarbeit mit anderen gesellschaftlichen
Zielen, die nicht die bestehenden Organisationen übernehmen möchte,
sollte sich daher nie Opposition nennen, da sie bei den Menschen, die
sich dafür interessieren, eventuell falsche Forstellungen weckt.
Die Opposition im Bunderstag will auch nicht die parlamentarische
Demokratie abschaffen. "In Opposition gehen" heißt noch nicht
unbedingt, den vorgegebenen gesellschaftlichen Rahmen sprengen zu
wollen. Es ist besser, konkret die eigenen Vorstellungen zu benennen.
Zum Beispiel "Revolutionäre Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit". Damit
ist ein klarer Trennungsstrich zu den reformistischen Gewerkschaften
gezogen. Dann braucht nur noch erklärt zu werden, welche Ziele auf
welchem Weg und mit welchen Mitteln erreicht werden sollen. Erst dann
beginnt die Diskussion über die derzeitigen gesellschaftlichen und
rechtlichen Möglichkeiten. Hierbei können dann Schritte überlegt
werden, mit denen die Voraussetzungen für eine revolutionäre Umwälzung
verbessert werden könnten.
Folgende Thesen sollen dabei den Arbeitsansatz deutlich machen:
1. Arbeitsverhältnisse bilden nicht nur die Grundstruktur unserer
Gesellschaft. Sie sind auch für die Reprodunktionsbedingungen
entscheidend.
2. Der unterschiedliche Ansatz von Gewerkschaftsarbeit kann folgendermaßen formuliert werden:
Entweder wird die Verbesserungt unserer Gesellschaft als Modernisierung
begriffen, innerhalb derer sich die Gewerkschaft den obwaltenden
Sachzwängen unterwerfen muß, und dies innerhalb der bestehenden
Herrschafts-, Eigentums- und Gestaltungsspielräume.
Oder die gewerkschaftliche Tätigkeit wird im Kontext eines
gesellschaftlichen oder politischen Umbruchs gesehen. Letzteres
funktioniert aber nur, wenn die Menschen von der Notwendigkeit eines
solchen Umbruchsüberzeugt sind.
Dies heißt für mich, nicht nur Widerstand zu leisten und soziale
errungenschaften zu verteidigen, sondern eigene Vorstellungen zu
entwickeln und zu versuchen, diese auch partiell umzusetzten!
Ende Teil 2