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SOZIALE REVOLUTION UND REVOLUTIONAERE ORGANISATION

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SOZIALE REVOLUTION UND REVOLUTIONAERE ORGANISATION

Posted by Rudolf Mühland at June 23. 2007




(Text über den
Anarcho-Syndikalismus, Anarcho-Kommunismus und integrale Organisation. Beitrag
der russischen KRAS zum Thema)


Wie die
Arbeiter-AnarchistInnen es sehen




Wir sind
Kommunisten. Und zwar nicht in diesem
verflachten und verzerrten Sinn, der uns ab und zu als Schreckgespenst von den
Seiten, Kanäle und Wellen der Medien erscheint (‘kommunistisches Regime”,
“kommunistischer Staat”, “kommunistische Partei” usw.). Der wahre Kommunismus
ist der anarchistische, staats- und autoritätslose; er ist frei und libertär.
Vor nur Hundert Jahre konnte mensch fast hundertprozentig sicher sein, indem er
eine Erwähnung über den Kommunisten traf, dass die Rede von den Anarchisten
war. Nur 1917 wurde dieses Wort von den Bolschewisten gestohlen und dann zum
Gespött der ganzen Welt gemacht…



Wir sind
Kommunisten in diesem alten, noch nicht gestohlenen Sinn. In dem, der freie
Kommune und freie Assoziation bedeutet. Wenn die Betroffenen zusammen und
gemeinsam (in den Vollversammlungen) beschliessen, wie sie leben und was sie
tun sollen, indem sie aneinander helfen. Wenn sie gemeinsam die bestehende und die neu erzeugte Güter der Erde benützen
– wie man das Licht der Sonne benützt, die für alle scheint, um mit den Worten
des anarchistischen Dichter aus dem 18.Jh., Sylvain Marechal zu sprechen.



VOLLVERSAMMLUNGEN



Wir sind Kommunisten nicht
nur in den Vorstellungen über unsere Ziele, über die Zukunft für die wir kämpfen.
Wir sind Kommunisten
auch in unserem Kampfe selbst. Wir
sind überzeugt dass nur die allgemeine Versammlungen der ArbeiterInnen in den
Betrieben und in den Einrichtungen, nur die Vollversammlungen der
EinwohnerInnen in den Wohnvierteln, Hauserblocks und Ortschaften bestimmen
sollen, wie zu streiken oder zu revoltieren ist, wie  Demonstrationen und Kundgebungen durchzuführen
und wie sich gegen die Repressionen und die Organe der existierenden Un-Ordnung
zu wehren ist. Und zwar bestimmen von selbst, ohne jegliche selbsternannte oder
“durch-die-Wahlen-beauftragte” Verteter: der Parteien, der Gewerkschaftsbürokratien,
der Deputierten oder der Richter. Solche souveränen Vollversammlungen sind
nicht nur ein Unterpfand für einen Erfolg der heutigen Kämpfe sondern auch ein
Urbild, eine Grundlage und ein Grundstein des freien Morgens.



Aber wenn ihr,
AnarchistInnen, für die Vollversammlungen einsetzt und in ihnen die Grundlage
einer freien Gesellschaft seht – könnten manche LeserInnen fragen – warum haltet
ihr dann für notwendig die Bildung einer anarchistichen
ArbeiterInnen-Organisation? Wozu ist diese wenn solche Vollversammlungen tagen?



Beginnen
wir damit dass solche Vollversammlungen ganz selten im heutigen Russland sind. Hier wird der Kampf am ehesten von den Parteien,
Politikern und bürokratischen Gewerkschaften geführt und geleitet. Das
Gewerkschaftskommittee beschliesst wie und wofür zu streiken ist und die
allgemeine Versammlung wird nur dafür einberufen um die bereits getroffenen
Beschlüsse zu bestätigen. Für etwas mehr ist die “unwissende” Masse sowieso
nicht fähig, so ist die übliche Meinung. Diese traurige “Tradition” ist um jeden Preis
zu brechen! Eben darum ist es
lebenswichtig Leute zu vereinigen, die das Prinzip der Souveränität der
Vollversammlungen behauptet.



Aber auch
Vollversammlungen allein – heute reicht das nicht. In Frankreich z.B. ist ihre
Einberufung schon eine Kampftradition. Solche “Assemblees” werden einberufen fast immer wenn irgendwelcher seriöser
Streik ausbricht. Aber
auch dort wird die Macht von den VertreterInnen irgendwelcher oppositioneller
Parteien oder Gewerkschaften usurpiert. Danach sind es sie, Führer, die über den Verlauf und die Organisation des
Kampfes beschliessen und nicht der laute ungehorsame “Arbeiter-Thing”. Die Führer
sprechen, beraten sich, verhandeln mit den Unternehmern und den Behörden,
schliessen Vereinbarungen und Geschäfte hinter dem Rücken der ArbeiterInnen…
Und die “gewöhnlichen” Leute unten werden wieder zu den Statisten, wie es immer
im Kapitalismus ist. Dabei danken die “Massen” diesmal selbst von ihrer Souveränitaet
ab; sie selbst “bevollmächtigen” die Führer statt ihnen zu denken und zu
beschliessen.



Warum kommt
das vor?



Die Vollversammlungen
sind in der Wirklichkeit nur die Form der Beschlussnahme. Zwar die beste von allen möglichen und doch kein
Selbstzweck. Man kann auf einem solchen “Thing” ja ganz verschiedene Beschlüsse
nehmen. Einschliesslich menschenfeindliche. Einschliesslich solche über die
Absage der Versammelten von ihren eigenen Kompetenzen und deren Uebergabe in
die Hände der “Vertreter”, der Führer und Diktatoren. Nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt ist
wichtig; wichtig ist die Harmonie zwischen sie. Der Inhalt der Beschlüsse ist durch die Leute bestimmt, die an der Beschlüssnahme
teilnehmen. Durch ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse, ihre Ansichten, ihre
Anschauungen. Alles hängt von ihnen ab.



Natürlich ist der Mensch
ein soziales Wesen (darin liegt seine biologische Besonderheit, wenn man will).
Natürlich ist sein Verhalten in vielem durch den tiefen ursprünglichen Trieb
zur gemeinsamen Hilfe und Solidarität bestimmt. Aber man kann auch die Realitäten
der Gesellschaft ignorieren, in der wir alle leben. Viele Tausende Jahre der
Macht, der Herrschaft und des Eigentums verstümmelten schwer die menschliche
Persönlichkeit. Besonders
erfolgreich ist in diesem Sinne der Kapitalismus mit seinem Wettbewerb, seinem
bestialischen Egoismus, seiner Jagd nach dem privaten Vorteil, seinem
Konformismus und verderblichen Konsumismus. Viele sind heute bereit, Freiheit gegen Komfort umzutauschen und sich mit
den Almosen zu begnügen, die durch die minimalen Anstrengungen und möglichst
ohne jeglichen Kampf gewonnen sind. Wir leben in einer kranken Gesellschaft, in einer wahnsinnigen Welt.
Aber die Kranken sind von der Krankheit immer verschieden betroffen. Und die Persönlichkeiten unserer Zeitgenossen sind
auch in verschiedenen Mass deformiert. Wir reden schon überhaupt nicht von
den  Machthabern, von den Reichen,
Unternehmern und Bankiere; es ist klar dass das rechts liegende Portmonnaie
ihnen oft das Herz ersetzt, das bekanntlich von links ist. Aber auch unter den
arbeitenden Leute gibt es heute nicht wenige die gar nich daran denken, mit dem
Kapitalismus und der Macht zu brechen, und die nicht wollen die Last der
Verwaltung ihres eigenes Lebens selbst übernehmen.



Wenn wir also wollen dass
die Vollversammlungen unabhängige beschliessende Organe bleiben und dass eben
die “einfachen” Leute ihre eigene Kämpfe und ihr Schicksal beherrschen – dann
sollen die Anhänger dieser Alternative sich vereinigen und diese geschlossen
behaupten.



Eben dazu ist eine
revolutionäre Organisation notwendig: sie soll in ihren Reihen diejenigen
zusammenschliessen, die einen bewussten Kampf für den Triumph der Freiheit, der
Solidarität und der Staatslosigkeit führen wollen und können – dafür, dass die
Leute sich miteinander gemeinsam verständigen, wie sie leben sollen; für eine
Gesellschaft, die auf einer persönlichen Selbstrealisierung und auf der
Koordination der menschlichen Anstrengungen mittels Vollversammlungen begründet
ist; für gleiche Möglichkeiten für alle, Güter der Welt zu geniessen – für
einen anarchistischen Kommunismus. Mögen es heute nur ganz wenige
sein, die in eine solche Organisation eintreten. Wir sind fest sicher, dass
unsere kristall- und schonungslosklaren Ideen früher oder später die überwältige
Mehrheit der Menschen überzeugen und die ganze Welt verändern können.



WEDER PARTEI ODER
IDEENGRUPPE…



Soll dass heissen, dass wir, Anhänger eines freien Kommunismus, eine
politische Partei gründen und den Kampf um die politische Macht führen sollen?



Selbst das Wort “Partei” beinhaltet in sich
das, was wir ablehnen. Es heisst “ein
Teil”, Teil des Volkes, der statt es und für es agiert. Die Partei wird durch
diejenige gegründet, die die Posten der Leaders, der Führer und der “Vertreter”
beanspruchen, die wollen dass die “einfache Leute” ihnen die Rolle der Leiter
des Kampfes und des Lebens überreichen. Die Parteiler handeln immer “von oben” – auch
wenn sie “unten”, im Volksmilieu arbeiten. Vertraut uns die Vertretung eurer Intetessen an, sagen sie einem “kleinen
Mensch”, und dann wir… Und der/die Arme – wie eine Danae durch das Trugbild
eines auf ihn/ihr fliessenden Goldregen hypnotisiert – schleppt sich gehorsam
oder auch exaltiert, seine / ihre Stimme, seine / ihre Zeit, seine / ihre Kräfte,
seine / ihre Hände und Hirne – sich selbst also zu geben.



Es spielt überhaupt keine Rolle, um welcher Partei geht es: einer
parlamentarischen oder einer “Avantgarde”-Partei. Im ersten Fall versuchen ihre
Führer die Interessen verschiedener Gruppen der existierenden Gesellschaft zu
vertreten (lobbieren) indem sie an alle alles versprechen aber letzten Endes nur
diejenigen befriedigen, die den Reichtum und die Macht haben. Im zweiten erklären
sich ihre Führer zum eigentlichen “fortgeschrittenen” Teil des Volkes, zu einer
natürlichen, nur nicht verstandenen und durch heutige Machthaber nicht geschätzten
Elite. Aber die Ziele und die Aufgaben der Parteien sind immer und überall
dieselben: die Macht zu erobern, eine Regierung zu bilden und die Gesellschaft
von oben zu vergewaltigen.



Nein, wir wollen keine Partei bilden. Wir wollen aber nicht eine propagandistische
Ideengruppe bleiben obwohl wir manchmal gezwungen sind als solche zu beginnen.
Theorie ist tot ohne Praxis und die geistigen Übungen in einem Elfenbeinturm
sind kraftlos ohne das reale Leben ringsum. Die Ideen bewegen die Welt aber nur
dann wenn sie zu den gesellschaftlichen Kräfte werden.



Wir wollen uns nicht mit der einfachen Verbreitung unserer Ideen begrenzen.
Es ist für uns zu wenig dort zu sein, wo “die Massen sind” und mit den anderen
Leuten zu sprechen, die wie uns oder auch nicht wie uns sind. Das reicht uns
nicht, die Kundgebungen und Versammlungen der Streikenden oder die Initiativen
der EinwohnerInnen zu besuchen und dort für die Souveränität der
Vollversammlungen sowie für eine direkte Aktion zu agitieren. Wir halten eine mächtige
soziale Bewegung für notwendig, die bewusst auf dem Grund unserer Ideen steht
und den Kampf für die Freiheit führt. Nein, wir wollen keine Ideengruppe sein,
die nur analysiert, das Geschehen zusammenfasst und von ihren
“wissenschaftlichen” oder “kulturellen” Höhen mit mehr oder weniger selbstgefälligem
Hochmut die von ihr “geführten” und “gelenkten” “Klassenbrüder” schulmeistert.



Wir wollen eine soziale Bewegung sein die die heutige Gesellschaftsordnung
zerstört und eine neue gründet.



Der Kampf gegen die heutige Welt der Ausbeutung, der Herrschaft, der Macht
und der Ungerechtigkeit beginnt vom Widerstand gegen jeden Anschlag auf unser
Leben und unsere Freiheit. Von den Streiks fuer eine Lohnerhöhung und eine Kürzung
der Arbeitszeit (und folglich eine Begrenzung unserer Ausbeutung und der Befreiung
der Zeit für unsere Selbstentwicklung). Von den Protesten gegen den Bau der
Hauser für die Reichen und gegen die kommerzielle Umplanung der Wohnviertel, wo
wir wohnen. Von der Opposition gegen den Bau und die Entfaltung der
industriellen und energetischen Objekten, die für die Gesundheit der Menschen
und für die Natur schädlich sind. Mit anderen Worten, von den Massenaktionen in
deren Laufe wir, Ausgebeutete, Erniedrigte und Beleidigte, unsere Rechte und
Interessen im existierenden System verteidigen, bis wir eine Möglichkeit
bekommen, dieses zu stürzen.



Und das gilt natürlich vor allem für die Welt der Arbeit. Wir sind der
Ausbeutung und Unterdrückung auf Schritt und Tritt ausgesetzt: in der Arbeit
und in der Familie, dort, wo wir wohnen, und dort, wo wir lernen… Aber das
Hauptgebiet unserer Rechtslosigkeit liegt dort wo sich der Grund unserer tagtäglichen
Sklaverei befindet: das ist immerhin die Arbeit. Sie wurde vom Kapitalismus ins Zentrum eines
riesigen, allumfassenden Mechanismus unserer Erniedrigung und Versklavung
gesetzt. Gerade in den Arbeitsplätze,
indem wir unsere Arbeit, unsere Hände und Gehirne verkaufen, verbringen wir den
grössten Teil unseres Lebens, und die Restzeit gebrauchen wir dafür, um nur ein
bißchen Atem zu holen, zu erholen, sich auszuschlafen und sich selbst in eine
relative Ordnung zu bringen. Gerade dort sind wir zur Rolle einer lebendigen
Maschine und zum Anhängsel anderer Maschinen aus Metall und Plastik
herabgesetzt. Gerade dort schaffen wir die Mehrheit der Güter, die für das
Leben notwendig sind – und hängen völlig von jeder Laune unserer Herren ab:
eines Besitzers oder eines Vorgesetzten, die sich von uns erzeugten
gesellschaftliche Reichtümer aneignen… Eben deshalb streben wir danach, die Sphäre
unserer Arbeit (den Betrieb oder die Einrichtung, wo wir arbeiten, die Schule
oder die Hochschule, wo wir lernen) ins Zentrum unseres Widerstands gegen
Kapital und Staat zu setzen, die uns unterdrücken.



… NOCH GEWERKSCHAFT…



Aber dann sollt ihr aktiv in die Gewerkschaften eintreten oder auch – wenn
diese euch wegen irgendwelche Gründe nicht recht sind – neue gründen, so kann
der Leser / die Leserin sagen. Doch sollen wir wiedermal “Nein!” sagen.



Die Gewerkschaften entstanden im 19. Jh. (in Russland im 20.Jh.), am öftesten
um den Platz der aufgelösten und vom Kapitalismus vernichteten
Produzentenvereinigungen “Zünfte” einzunehmen. Indem sie sich in die Berufsbündnisse
vereinigten, versuchten die ArbeiterInnen aneinander im Leben und in der Arbeit
zu helfen, eine kulturelle Aktivität sowie die Kranken- und die Altenpflege zu
organisieren. Viele der Bündnisse agierten gerade als
Widerstandsgesellschaften, indem sie den Kampf für die Lohnerhöhungen, die
Besserungen der Arbeitsbedingungen und die Kürzung der Arbeitszeit führten. Oft
benahmen sie sich auf revolutionäre Weise, führten kämpferische Streiks und
Generalstreiks durch, wurden zum Herz einer besonderen Arbeiterkultur, die der
kapitalistischen Zivilisation gegenüberstand, oder sie proklamierten offen die
Ziele einer sozialen Revolution.



Und doch hatten sie – auch die revolutionärsten – immer einen Schwachpunkt.
Die Gewerkschaften wurden ja entsprechend der Bedürfnisse der Arbeitsleute in
der existierenden Gesellschaft
gegründet. In der ersten Reihe, der ökonomischen,
materiellen Bedürfnisse. Es schien in den Bedingungen der wilden Armut des
arbeitenden Volkes im 19. - Anfang des 20. Jh., dass der Kapitalismus diese
sowieso nicht befriedigen könnte. Dass man könnte ihm fortwährend Giftzähne
wegwerfen, ihn letzten Endes an die Wand drängen und mit ihm Schluss machen. Dieser Mallauf wurde aber von den
ArbeiterInnen verloren. Es stellte
sich heraus dass das industriell-kapitalistische System imstande war, eine
entpersonalisierte Massenproduktion für einen gesichtslosen Massenkäufer zu
organisieren. Natürlich war die industrielle Ware qualitativ viel schlechter
als das Meisterwerk eines mittelalterischen Handwerkers, dafür aber war sie
fast für jeden “durchschnittlichen” Armen zugänglich. Mehr noch, es stellte
sich heraus, dass die Bourgeoisie und der Staat vollkommen imstande waren viele
Lohnforderungen der Arbeitsleute anzunehmen, indem sie diese… auf Kosten
anderer ArbeiterInnen erfüllten. Zum Beispiel, die Löhne der ArbeiterInnen in
einem bestreikten Werk zu erhöhen – aber danach auch die Preise für eine
produzierte und verkaufte Ware höher zu bestimmen. Oder die Arbeitszeit zu kürzen
– aber dabei die Arbeit zu intensivieren und aus einem Arbeiter / einer
Arbeiterin in die wenigere Zeitspanne mehr Energie und Kräfte auszupressen. Es
wurde klar, dass das Zerschlagen des existierenden ungerechten System gar nicht
unbedingt alleine und ausschliesslich aus den materiellen und ökonomischen Bedürfnisse
ergibt. Der Sklave kann doch ja auch bevorzugen, für nichts zu verantworten und
wohlgenährtes Wohlleben bei einem “guten” Herren zu führen – statt das Leben
eines freien Menschen zu riskieren.



Indem sie ausserdem in den Rahmen des existierenden Standes der Dinge
blieben und keinen unmittelbaren Kampf für eine neue Gesellschaft führten,
waren die Gewerkschaften für die Leute mit ganz verschiedenen Anschauungen
offen. Einschliesslich für die, die keinen Bruch mit dem Kapitalismus und mit
dem Staat wagten und sich selbst “bessere” Herren suchten: in der Person der Führer
der sozialistischen und später der “kommunistischen” Parteien. Die
MitgliederInnen der Gewerkschaften legten den Kampf für ihre eigene Interessen
in die Hände dieser machthungrigen Abenteurer hin und begrenzten sich
freiwillig damit, selbst rein materielle und momentane Forderungen nach den
besseren Bedingungen ihrer Sklaverei zu verteidigen. So entstand diese Zwiespältigkeit:
die ideologische Parteien führen einen politischen Kampf und die Gewerkschaften
einen ökonomischen. Dazu stalteten sich die Gewerkschaften noch allmählich
selbst nach demselben Schema der Interessen-“Vertretung” um. Eine eigene Bürokratie
wuchs und erstarkte im Inneren dieser Organisationen; und die einfache
MitgliederInnen wurden immer mehr zu StatistInnen: BezahlerInnen der Mitgliedsbeiträge
und AusführerInnen der Beschlüsse. Letzen Endes verwandelten sich die
Gewerkschaften in diese risiegen bürokratischen Monstren, die jeder/jede am
eigenen Leibe zu spüren bekommt und die nur eines verdienen: Niederreissen und
Vernichtung.



Wir wollen keine gewöhnliche, nicht ideologisierte und “für alle
ArbeiterInnen” offene Gewerkschaft organisieren weil wir nicht wollen, uns mit
der einfachen Verbesserung unseres Sklavenzustandes begnügen. Weil wir nicht
wollen, den einheitlichen und lebendigen Faden unseres Kampfes gegen das allmächtigen
System in die gesonderten, miteinander nicht gebundenen Momente zerreissen:
einen ökonomischen, einen politischen, einen geistigen, einen kulturellen usw.
Nein, wir wollen nicht nur besser leben – sondern auch anders! Wir wollen freie
Menschen
sein!



…SONDERN ANARCHISTISCHE ARBEITER-UNIONEN



Die revolutionaere Organisation, die wir
aufbauen, ist keine Partei und auch keine Gewerkschaft. Ihrem Grund nach ist sie eine Arbeiter-Union, weil
sie die arbeitende Leute vereinigt, die den Widerstand gegen die alltägliche
Ausbeutung und Unterdrückung leisten und darum den Kampf für die Verkürzung der
Arbeitszeit, für die Verbesserung ihrer materiellen und geistigen Lage führen.
Doch sind diese Verbesserungen für sie kein Selbstzweck, sondern nur ein
Mittel, um in den Menschen schlummernde Anfänge der Solidarität und der
gemeinsamen Hilfe zu erwecken, sie für das revolutionäre Rebellieren gegen die
Macht und das Eigentum, gegen die Ungleichheit und Unterdrückung zu begeistern.
Nur indem wir unsere Rechte und Interessen Seite an Seite verteidigen, können wir
ArbeiterInnen den Egoismus überwinden, die menschliche Würde wiedergewinnen und
sich von einer Lethargie erwecken. Dann koennen wir dieser Sache bewusst werden:
um sich selbst zu befreien, muss man mit dem ganzen existierenden System der
Produktion, der Verwaltung und des Lebens Schluss machen und dieses mit einem
neuen zu ersetzen: dem anarchistischen, staatslosen, freien Kommunismus.



Darum sind unsere Gesellschaften des
Arbeiterwiderstandes (der Berufe nach und interberufliche) in der selben Zeit
auch Ideenorganisationen. Sie beruhen
nicht auf den momentanen wirtschaftlichen Interessen, obwohl sie sowohl für
diese als auch für eine neue Welt kämpfen. Wir sind für eine
bewusst-anarchistische Arbeiter-Organisation. Sie ist frei von jeglicher Bürokratie,
von Politikantentum und von der Karrieremacherei. Alle Beschlüsse in ihr werden
durch die Vollversammlungen ihrer MitgliederInnen oder (auf den überlokalen  Ebenen) durch die Delegierten von diesen
Versammlungen. Dabei
sind diese Delegiereten keine “Vertreter”, sondern nur “Stimmen” der, die sie
sandte, durch ein unbedingtes imperatives Mandat bindend.



Was hat eine solche ArbeiterInnen-Föderation zu tun? Die Unionen, die sie
bilden, sind dazu berufen, eine Ideen-, Agitations-, und Kultur-Arbeit zu führen,
durch Worten und Taten die hohe Ziele und Prinzipien des anarchistischen
Kommunismus zu propagieren. Sie müssen Streiks und andere Widerstandsaktionen
gegen den Joch des Staates und des Kapitals vorbereiten, organisieren und
durchführen. Und gleichzeitig müssen ihre MitgliederInnen auf anarchistische
Weise in den grösseren Vollversammlungen der ArbeiterInnen eines Werkes oder
einiger Werke, einer Einrichtung oder einiger Einrichtung, in den Versammlungen
und Initiativen der EinwohnerInnen handeln: darauf hinarbeiten, dass gerade
diese Vollversammlungen prinzipielle Fragen des Kampfes und des Lebens
bestimmen, sowie dem Einfluss und der Macht der politischen Parteien,
Gewerkschaften und der Führer entgegenwirken. Sie müssen – mit anderen Worten –
direkte Aktion und libertaeren Kommunismus anwenden und behaupten.



Unser Ziel besteht darin, dass die Massen der ArbeiterInnen auf die bewusst
anarcho-kommunistische Positionen übergehen, dass sie beginnen, als
Anarcho-KommunistInnen zu denken und zu handeln, ganz unabhängig darauf, ob sie
MitgliederInnen unserer Unionen sind oder nicht. Dann können die von ihnen
gebildeten Widerstandsorgane (Vollversammlungen und ihre Delegierte) – die
heute so selten oder auch schwingend und unbeständig sind – in der Zukunft zu
den regulären und ständigen Strukturen der Selbstorganisation und der
Selbstverwaltung auf dem freien kommunistischen Grund werden. Und dann, in
irgendeinem Grossen Abend gehen wir alle, Ausgebeutete und Unterdrückte, durch
die Ideen-Kräfte des anarchistischen Kommunismus begeistert, zum letzten und
entscheidenden Sturm der Bastionen der Alten Welt.



Vadim Grayevsky


KRAS-IAA



Re: SOZIALE REVOLUTION UND REVOLUTIONAERE ORGANISATION

Posted by Rudolf Mühland at June 25. 2007

Positionspapier KRAS Russland (Text über den Anarcho-Syndikalismus, Anarcho-Kommunismus und integrale Organisation. Beitrag der russischen KRAS zum Thema)
Wie die Arbeiter-AnarchistInnen es sehen.


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