Am 6.09. marschieren Neo-Nazis
unter dem Motto “Gegen imperialistische Kriegstreiberei und
Aggressionskriege” wieder durch Dortmund.
Unser Ziel heißt den Naziaufmarsch zu verhindern!!!
(die Zitate aus dem folgenden Text sind aus dem Aufruf der Neo-Nazis zu der Demonstration am 6.09.2008)
Die Faschisten nutzen den 1. September, welcher internationaler Antikriegstag ist, als zum Vorwand für ihre Demonstration. Sie sprechen sich gegen die Angriffskriege der USA aus, welche mit erlogenen Begründungen angefangen wurden und immer noch geführt werden.
“Die beiden genannten Beispiele sind nur die aktuellsten in einer langen Reihe von Aggressionen, die in den letzten Jahrzehnten von Amerika aus über die Welt gestreut wurden und leider wohl auch nicht die letzten, denn souveräne Länder wie Syrien und der Iran sind der amerikanischen Machtelite – ebenso wie ihren israelischen Brüdern im Ungeiste – schon lange ein Dorn im Auge.”
Sie geben Beispiele potentieller
Staaten, gegen welche die USA möglicherweise bereit ist, weitere Kriege
zu führen. Theokratische, sowie totalitäre Staaten,wie Syrien und Iran,
werden von diesen als “souverän” bezeichnet. Nebenbei wird
die Verteidigung der israelischen Bevölkerung gegen ständige Gefahren,
welche durch Staaten der Nahostregionen, die als antisemitisch
anzusehen sind und die Existenz des israelischen Staates bedrohen, mit
dem Imperialismus der USA gleichgesetzt.
An dem Beispiel wird, wenn auch nicht ganz offen formuliert, die immer
noch intensiv, publizierte Hetze gegen Menschen jüdischen Glaubens
deutlich, indem die Nazis ihren Hass auf Israel projezieren und diesen
Mitverantwortung für die Kriege geben.
Weiterhin empören sich die Nazis über die Vorwände, unter denen die Kriege geführt werden.
“Begründet wird all die Kriegstreiberei stets auf die gleiche Art und Weise: Man müsse die Demokratie und die westliche Zivilisation verteidigen; es gehe um die Durchsetzung von Freiheit und Menschenrechten; präventiv müßten „Schurkenstaaten“ daran gehindert werden, militärisches Potential zu entfalten.”
Geschichtsrevisionistisch werden die Gründe, weshalb der 2. Weltkrieg von den Nationalsozialisten geführt wurde verschwiegen. Ein Krieg der zur Erringung der Weltherrschaft, und dem Ziel mit der Vernichtung aller Rassen, die unwürdig seien zu leben, geführt wurde, steht einem Krieg, der unter derartigen Umständen geführt wird, in nichts nach.
Wie kann man Menschenrechte und Freiheit mit Foltergefängnissen und Internierungslagern durchsetzen wollen? Woher nehmen sich die USA das Recht, über die militärische Situation in einem fremden Land zu bestimmen?
Es stellt sich die Frage, wie sich Neo-Nazis,
deren politisches Programm man jeder Zeit nachlesen kann und welches
keine Unterschiede zu dem Programm der NSDAP aufweist, derart
heuchlerisch über solche Dinge empören können. Hier zeigt sich wieder
einmal, wie die “modernen Nazis” ihr Verwirrspiel weiterführen, indem
sie aktuelle und brisante Themen aufgreifen, um Menschen zu blenden,
indem sie versuchen jeglichen Bezug auf das 3. Reich zu verwischen.
Ist es nicht absurd wenn Nazis sich die Frage stellen, “woher sich die USA das Recht nehmen in einem fremden Land zu bestimmen”?
Die parteifreien Nazis, wie sie sich bezeichnen, erstreben die “Reinhaltung aller Nationen durch äußere Einflüsse fremder, ausländischer Kulturen”. Das für diesen Zweck bereits schon einmal “Foltergefängnisse und Internierungslager” benötigt
wurden, wo Menschen behandelt wurden wie Tiere auf der Schlachtbank,
wird von selbigen nicht zum Thema gemacht. Das Konzept der Ignoranz und
Revision ist durchaus bewusst gewählt um Menschen, die sie mit ihrem
Programm ansprechen wollen, nicht direkt abzuschrecken. Doch sollte
jeder/jedem bewusst gemacht werden, was sich alles hinter derartigen
Phrasen, wie etwa die “Reinhaltung aller Nationen durch äußere Einflüsse fremder, ausländischer Kulturen”
versteckt. Solche Ziele können nicht gewalt- und kriegsfrei erstrebt
werden, sondern beinhalten ein enormes Gewalt- und Kriegspotential,
welches sich gegen alle Menschen stellt, die nicht in das Weltbild der
Nazis passen.
In ihrem Aufruf machen die Nazis das “kapitalistische System, Träger und Befürworter” für die Kriege verantwortlich und beschränken dies auf eine Verschwörung von Oben, ohne die genaueren kompliziert entwickelten Mechanismen des Kapitalismus, welche es zu erkennen und zu hinterfragen gilt, zu erläutern.
Es heißt: “In Jahrtausenden gewachsene Völker, Kulturen und Nationen werden, wenn sie der, dem kapitalistischen Denken innewohnenden, unstillbaren Gier nach immer größeren, einheitlicheren Absatzmärkten und immer günstigeren Arbeitskräften im Wege stehen, in Schutt und Asche gelegt und nach der Zerstörung im Sinne der internationalen Finanzmächte wiederaufgebaut – jedoch nicht als souveräne Volksstaaten, sondern als unfreie Sklavenkolonien der Weltwirtschaft.”
Es kann nicht das
Ziel sein, eine Systemüberwindung anzustreben, und ein vermeintlich
antikapitalistisches Wirtschaftssystem auf einer von ihnen erstrebten
Volksgemeinschaft aufzubauen. Im Grunde enthält das Konzept nur eine
Umfunktionierung des kapitalistischen Systems und keine Überwindung.
Der Staat verteilt die Ressourcen auf loyale, der Volksgemeinschaft
dienenden VerwalterInnen. In den Phrasen der Nazis heißt das, dass
Klassenunterschiede unter dem Aspekt aufgehoben werden, weil
ArbeiterInnen nur einem Zweck dienen, und zwar dem Wohlergehen der
eigenen Nation.
Der zitierte Absatz aus dem Aufruf der Neonazis verdeutlicht ,dass es
ihnen keines Falls um die Überwindung des kapitalistischen Systems und
die Abschaffung von Anhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse, noch um
die Verbesserung von Lebensbedingungen in der Bevölkerung und
ArbeiterInnenrechte geht. Die Rechte der ArbeiterInnen und Angestellten
können nur durch Aneignung und Selbstverwaltung der Arbeits- und
Lebensbereiche im Rahmen des internationalen Austausches und
Kooperation eingefordert, durchgesetzt und realisiert werden. Mit dem
Konstrukt “Volksgemeinschaft” geht es den Neo-Nazis nur um eine Verlagerung der Machtverhältnisse, die einen Staatskapitalismus zur Folge hat.
Die Forderung nach einem autarken Staat, was heißt, dass der Staat sich
durch im Land vorhandene Ressourcen selber versorgt, ist ebenso
schwachsinnig, wie die Idee von der Volksgemeinschaft. Das Beispiel von
Nordkorea zeigt, wie die Bevölkerung unter den utopischen Ideen der
Regierung zu leiden hat.
Weiterhin stellen die Nazis, die für sich neu entwickelte Volksgemeinschaft, die nur aus den Menschen einer Nation, Kultur, Religion usw. bestehen soll als eine progressiven Schritt in der menschlichen Entwicklung dar.
“Eine neue Weltauffassung und Lebensform, welche die natürliche menschliche Gemeinschaft – das Volk – und die von ihr ausgehenden schöpferischen und kulturellen Leistungen zum Mittelpunkt hat; eine Weltauffassung, welche die Wirtschaft als Dienerin des Volkes begreift und nicht umgekehrt; eine Weltauffassung, der sich aus wirtschaftlichen Interessen heraus geführte Kriege von selbst verbieten!”
Nationen, die völlig isoliert nebeneinander existieren, stellen nicht nur aufgrund von “ihrer eigenen Identität, Rasse, Religion Kultur, usw.” eine Bedrohung für die Benachbarte dar, wie es zum Beispielin Europa im 19. Jahrhundert der Fall war. Der Ausgang dieser Periode der Konflikte zwischen den Nationen ist jedem klar, sondern sie verschreiben sich auch der völligen Rückentwicklung ihrer bereits entwickelten Erkenntnisse, da diese nicht mehr im Austausch stehen können und somit eine Weiterentwicklung bestimmter Fähigkeiten und Erkenntnisse nicht mehr möglich sein kann. Menschen verschiedenster Kulturen, Gesellschaften und Regionen entwickeln aufgrund ihrer Umstände eigene Fähigkeiten und Erkenntnisse. Über Jahrtausende hinweg lernten die Menschen aus ihren Umständen heraus, sich ihren Gegebenheiten anzupassen und entwickelten sich im Austausch ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen mit anderen Menschen und fremder Kulturen, weiter. Nur ein Prozess, der diese Weiterentwicklung garantiert und Menschen ein friedliches Zusammenleben ohne Zwänge ermöglicht, bringt einen emanzipatorischen Zustand, in dem ein Leben ohne Identität von Nation, Staat und in Frieden möglich ist.
“Die gleiche Motivation treibt Menschen auf der ganzen Welt immer wieder auf die Straßen, läßt sie Verfolgung und Leid ertragen, gibt ihnen stets neue Kraft und neuen Mut. Sie haben erkannt, daß sich ohne ihren eigenen Einsatz die Welt nicht verändern läßt. Und auch Du kannst einen Teil zu einer besseren, gerechteren und friedlicheren Zukunft beitragen.”
Uns
hingegen treibt die Motivation voran, den Aufmarsch zu stören und alle
Beteiligten zu überzeugen, dass es völliger Irsinn ist, den Weg in eine
gerechtere und friedlichere Welt mit der Forderung eines starken
Staates und der Selektierung von Menschen mit fremder Identität,
Religion, Kultur etc zu beginnen. Versuche, die derartiges erstreben,
bringen allen Menschen, nicht nur denen, die aussortiert werden sollen,
sondern auch dem eigenen Volk, Kontrolle, Unterdrückung, Gewalt, Folter
und Krieg!
Unser aller Erstreben ist es mit dem Ziel internationaler Solidarität,
den Kapitalismus zu überwinden und eine klassenlose und
herrschaftsfreie Gemeinschaft zu schaffen, die einen Sozialismus
aufbaut, der allen Menschen gerecht werden kann und somit Konflikte
auslöscht, die sich auf soziale Ungerechtigkeiten zurückführen lässt.
Der Kapitalismus, sowie der von den Nazis erstrebte Staatskapitalismus,
der in seiner Beschaffenheit einen ständigen Konkurrenzkampf zwischen
den Menschen entfacht, trägt Schuld an Rassismus, Nationalismus und
Krieg.
Daher gilt es auf die Fehler in der Nazipropaganda aufmerksam zu
machen, diese zu widerlegen und gemeinsam auf die Straße zu gehen, um
dies den BürgerInnen klarzumachen.
Hiermit rufen wir zu Aktionen gegen den geplanten Naziaufmarsch am 6.09.2008 in Dortmund auf!!!
Wir wollen den Neo-Nazis keine Gelegenheit bieten ihre menschenverachtende Propaganda ohne Gegenwehr öffentlich zu präsentieren und die Menschen mit ihrem hohlen Phrasen, die keinerlei Lösung zu aktuellen Problemen darstellen, zu blenden.
Zum Aufruf der Antifa Union Dortmund
(die Zitate im folgenden Text sind aus dem Aufruf der Antifa Union Dortmund zum 6.09.2008)
Die
Arbeit der Antifa Union Dortmund soll nicht kritisiert werden, sondern
die Tatsache, dass sie als Gesamtgruppe hinter dem Aufruf steht!
Wir distanzieren uns von dem Aufruf der Antifa Union Dortmund und
werden nicht TeilnehmerInnen der Demonstration am Hauptbahnhof sein.
Das elitäre, sowie dogmatische Auftreten antideutscher Gruppen ist eher
abschreckend, provozierend und kontraproduktiv, statt aufklärerisch,
libertär und solidarisch. Derartiges Auftreten setzt bewusst auf
Ausgrenzung von Menschen, die nicht die ideologische Überzeugung haben,
wie sie von antideutschen Gruppen vertreten wird. Unser Ziel ist es,
aus der Notwendigkeit der Veränderung heraus, die Menschen aus der
ausgebeuteten Klasse motivieren und anzuregen, indem wir diesen bei
Fragen Rede und Antwort stehen können, um schließlich aufgeklärt und
gemeinsam individuelle und soziale Rechte zu erkämpfen.
Dieses Prinzip ist nur möglich, wenn versucht wird, alle Menschen
explizit anzusprechen und sie nicht bereits im Vorfeld zu kritisieren,
provozieren und als unfähig abzustellen.
Schon in dem Aufruf der Antifa Union Dortmund “Gegen Antisemitismus, Antiamerikanismus und Rassismus”
lässt sich kein Versuch einer Konsensbildung mit anderen Gruppen
erkennen. Eher stoßen Gruppen, die sich diesem aus ideologischen
Gründen bewusst distanzieren wollen auf Unverständnis, gepaart mit der
Meinung, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben.
Dieser Aufruf ist kein Einzelbeispiel, der nicht vorhanden Fähigkeiten
zur Konsensbildung im Ruhrgebiet. Bereits im letzten Jahr gab es zur
Gegendemo zum Antikriegstag einen Aufruf, der nicht im Konsens stand.
Dies bekamen nicht-antideutsche auf der Demonstration auch zu spüren,
indem diesen sogar mit Ausschluss von der Demo gedroht wurde. Immer
wieder versuchen antideutsche Gruppen sich auf Demos im Ruhrgebiet mit
ihren Parolen und Staatsflaggen zu etablieren, anstatt sich über die
Konsequenzen bewusst zu sein, die sich für sie selber, für andere
Gruppen, die sich dem nicht zuordnen wollen und für die allgemeine
Außenwirkung der Antifa im Ruhrgebiet entwickeln.
“Am 01. Mai diesen Jahres lieferten sich, sich selbst als „Autonome Nationalisten“ bezeichnende, Neonazis in Hamburg Auseinandersetzungen mit der Polizei und Gegendemonstrant_innen und machten dabei Jagd auf Journalist_innen. In der Szene als Erfolg gefeiert, ist zu erwarten, dass ein Aufmarsch im, als Hochburg der „Autonomen Nationalisten“ geltenden, Ruhrgebiet, für viele Neonazis attraktiv sein wird. Wir werden dem unseren geballten antifaschistischen Widerstand entgegen stellen! Anfang September muss deshalb alles dafür getan werden, dass die Neonazis keine weiteren gefühlten Erfolge verbuchen können!”
Die Antifa Union erklärt selber in ihrem Aufruf, dass das “Ruhrgebiet eine Hochburg für “Autonome Nationalisten” darstellt”.
Dennoch gibt es keine Bemühungen für ein gemeinsames antifaschistisches
Bündnis, welches einzig alleine zum Ziel hat, den Aufmarsch mit
gemeinsamer Kraft zu stoppen. Daher ist es nachvollziehbar, dass die
Nazis ein so enormes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn sie beobachten
können, wie die Gegenseite immer mehr auseinanderbricht. Wieso bei
einem so großem Wissen über politische Alternativen, nicht versucht
wird einen gemeinsamen Nenner zu finden, um vereint gegen die
gemeinsamen Feinde zu kämpfen, ist fraglich.
Weiterhin wird versucht andere linke Strömungen anzugreifen und das ohne auf die vermeidlichen Fehler einzugehen.
“Der ungeschickte und hilflose Umgang einiger identitätspolitischer und bewegungsorientierter Linker mit der Tatsache, dass Neonazis bestimmte traditionell linke Themenkomplexe zu okkupieren versuchen, offenbart ein grundsätzliches Problem. Anstatt die Gründe hierfür in den inhaltlich verkürzten eigenen Positionen zu suchen, unterstellt man den Neonazis aufgrund eigener Ideenlosigkeit perfide Strategien zur Unterwanderung der Linken zu verfolgen.(…)Deshalb ist es wichtig, dass linksradikale Kritik und Praxis endlich die nötigen Konsequenzen zieht.”
In
dem Beispiel wird nachvollziehbar, wie zum einen versucht wird andere
linke Strömungen zu diffamieren und die eigene dogmatisch als unfehlbar
hinzustellen, dennoch wird keine direkte Kritik mit expliziten
Beispielen geübt. Zum anderen wird nicht erwähnt, dass es sich
vermeidlich um linke Themen handelt, welche von den Nazis “okkupiert
werden”. Schaut man sich deren verzerrte Weltanschauung mal hinter den
vermeidlich linken Oberthemen an, wird klar, dass es aus der
ideologischen Sicht der Nazis Sinn ergibt derartig, wenn aber auch
verkürzt, zu argumentieren. Zum Beispiel bliebe es bei einem Krieg der
USA nicht aus, dass dieser auch die Werte der Angreifer mit sich
bringt. Das heißt dass die Kultur, Identität usw. der angegriffenen
Nationen gefährdet oder gar ausgelöscht wird und von den neu
integrierten abgelöst wird.
AnarchistenInnen und libertäre KommunistenInnen hingegen lehnen zum
einen Kriege aus pazifistischen Gründen ab und zum anderen aus der
Tatsache heraus, dass Kriege immer im Namen einer privilegierten
Minderheit geführt werden, die keine fortschrittlichen Werte in das
Land bringen wollen oder die Befreiung eines Volkes aus einer
totalitären Diktatur. Sondern wegen der Durchsetzung ihrer Interessen,
bei denen immer die Akkumulation ihres Kapitals im Vordergrund steht,
welches ständig neue Gebiete, außerhalb der eigenen Grenzen erschließen
muss. Um sich dort schließlich neu entfalten zu können, d.h. eine
Profitmaximierung anzustreben, müssen schließlich dessen BewohnerInnen
und die Natur ausgebeutet werden. Dieser Prozess wird als Imperialismus
bezeichnet, wenn zum Beispiel ein Krieg nötig ist, um die neuen Gebiete
gewaltsam zu erschließen, was wiederum eine große Gefahr für die
ausgebeutete Klasse gegenüber der privilegierten Klasse darstellt.
“So kann es folglich heute nicht nur darum gehen, den Naziaufmarsch in ein Desaster zu verwandeln, sondern es müssen endlich politische Grundvoraussetzungen geschaffen und akzeptiert werden, die über den bloßen Massenansatz, „gegen Nazis“ zu sein, hinausgehen und eigene emanzipatorische Ansprüche und theoretische Erkenntnisse viel stärker gewichten.
Wir stimmen dem insofern zu, dass eine ideologische Grundvorraussetzung geschaffen werden muss, die sich nicht nur einfach “gegen Nazis” ausspricht. Dennoch sollten “eigene emanzipatorische Ansprüche” soweit entwickelt sein, um einen Konsens zu schaffen, der alle Gruppen anspricht. Emanzipation heißt strebend an das höchste Maß Freiheit, dieses kann sich aber nicht durch ein ständig stärker werdendes Dogma entwickeln, sondern führt durch das Abwerten und der Ablehnung neuer Ideen von außen eher zu Regression und schließlich zur Besessenheit. Wohin eine Doktrin führt, die Menschen gewaltsam eingeprügelt wird, haben in der Vergangenheit schon Beispiele wie die Sowjetunion gezeigt.
“Somit ist eine Zusammenarbeit mit Antizionist_innen, Antisemit_innen und Antiamerikanist_innen absolut nicht tragbar und derartige Personen haben auf antifaschistischen Demonstrationen nichts verloren!”
Offen und provokativ wird jegliche Konsensbildung mit aller Macht verhindert. Menschen, die aus anderen ideologischen oder gar aus persönlichem Schicksal überzeugte AntifaschistenInnen sind, werden explizit dazu aufgefordert die Demonstration zu meiden. Wie kann man eine derartige Ideologie als emanzipatorisch bezeichnen, die andere Menschen dazu nötigt bzw. zwingt, die eigene Ideologie anzunehmen und keinerlei Absicht zeigt, sich auch kompromissbereit zu zeigen.
Wir
bekennen uns ebenso solidarisch mit dem vom Antisemitismus betroffenen
Menschen mit jüdischem Glauben, lehnen aber die Behauptung strikt ab,
dass jeder Krieg, der von der USA geführt, ein direkter Versuch ist,
Israel militärisch zu unterstützen.
Ebenso sind wir nicht der Meinung, dass der sogenannte Fortschritt, den
die Amerikaner durch ihre Kriege in die Länder tragen, auch den
versprochenen Fortschritt bringt. Eher macht es den Anschein, als
hätten sich die Probleme dieser Länder nur gemehrt.
Schon an Deutschlands Vergangenheit sollte man erkennen, dass
zwangsauferlegte Demokratien, durch äußere politische, sowie
militärische Einflüsse, der in der Bevölkerung lebenden Region, wie
denen in den Nahostregionen, die sich anders entwickelten, als
sogenannte westliche Zivilisationen, eher Schaden bringt, als
Fortschritt.
Die Behauptung, die USA bringen den Fortschritt, wie etwa demokratische
oder westliche Werte in die Regionen des Nahen Osten, ist als
rassistisch zu bewerten. Mit dieser Behauptung wird vorrausgesetzt,
dass es im Zusammenhang von kulturellen, gesellschaftlichen und/oder
geographischen Umständen “unterentwickelte” Menschen gibt. Dies ist
grundlegend als falsch zu beurteilen, denn es gibt keine
“unterentwickelten” Menschen, sondern nur Menschen, die sich aufgrund
gesellschaftlicher, geographischer und kulutureller Gegebenheiten
“anders” entwickelten. Elitäres Denken im allgemeinen diskriminiert
andere Menschen, die diesem nicht entsprechen.
“Einerseits gehen deswegen Millionen Deutsche auf die Straße, andererseits führen die Bürgerkriegszustände in einigen afrikanischen Staaten, die Todesopfer in Kashmir, Sri Lanka und Kolumbien keineswegs zu organisierten Protesten, eben weil weder Amerikaner_innen noch Jüd_innen involviert sind.”
Kriege, die von den USA
geführt werden erreichen mehr an Popularität als andere, weil die
wahrscheinlich mit größerem Aufwand geführt werden. Die
Kriegspropaganda der USA setzt alles daran, die Kriege bei den
NATObündnispartnern populär zu machen, um diese von einem
Kriegseintritt zu überzeugen.
Auch sollte bewusst sein, dass in diesen Kriegen, weder die USA, noch
irgendwelche andere NATO Partner aktiv sind und deshalb bleibt das
Interesse an dem Krieg in den Medien und somit in der Bevölkerung
gering oder gar ganz aus.
Ein weiterer Kritikpunkt an dem Aufruf ist die fehlende Kapitalismuskritik. Somit wird auch der Zusammenhang, zwischen Kapitalismus und Faschismus nicht erläutert. Es wird fast nur auf ideologische Kritik gesetzt, wo aber keine Zusammenhänge zum Kapitalismus erläutert werden, sondern die Kritik oberflächlich im Raum stehen bleibt.
Wir sind weder RassistenInnen noch AntisemitenInnen und lassen uns von Antideutschen, die mit Zitaten aus komplizierten philosophischen Texten, um gerade derartige Anschuldigungen versuchen zu beweisen, anstatt auf logische Erklärungen setzen, um sich werfen, nicht als diese diffamieren. Das Bewusstsein in der Schuld von Menschen mit jüdischem Glauben zu stehen, ist in uns ebenso entwickelt, aber wir suchen auch nach Lösungen, die einen Konflikt ohne Krieg bereinigen, denn Gewalt kann niemals die Lösung sein.
Aus diesen Gründen können und werden wir uns nicht an der Demonstration der Antifa Union beteiligen. Wir sind aber optimistisch, dass eine Zusammenarbeit in der Zukunft wieder möglich ist, die sich lediglich auf Antifaschismusarbeit beschränkt, denn die geistigen Fähigkeiten zur Konsensbildung sind bei allen Beteiligten vorhanden und sollten genutzt werden, damit den Nazis im Ruhrgebiet endlich wieder das Selbstvertrauen genommen wird, sobald sie auf eine breite antifaschistische Gegenwehr stoßen.